Douglas Wolfsperger, Berlin

An das
Familiengericht Tempelhof-Kreuzberg
Richterin Kirsten von Hollen
Hallesches Ufer 62
10963 Berlin


Offener Brief an die Richterin, die maßgeblichen Anteil daran hat, dass der Vater meiner Tochter entsorgt wurde.

Auch: An alle Richter, die so verfahren wie diese Richterin.


Betr. Aktenzeichen 144 F 1845-03

Berlin im Oktober 2010

Sehr geehrte Frau von Hollen,

bitte schauen Sie sich das beiliegende Foto einmal genau an. Es zeigt meine Tochter H., als sie knapp drei Jahre alt war und ein normales, inniges Verhältnis zu mir hatte. Heute ist H. zwölf Jahre alt und will –angeblich- von mir nichts mehr wissen. Dazwischen liegen Jahre, in denen der Kontakt immer wieder willkürlich unterbrochen wurde, weil die Mutter es entgegen des Umgangsbeschlusses vom 18.10.2001 so wollte und durch Sie auch nicht daran gehindert wurde. Indirekt konnte der fehlende richterliche Druck auch als Aufforderung an die Mutter interpretiert werden, mit dem Aussetzen des Umgangs weiter zu machen.

Mit Ihrem für meine Tochter folgenreichen richterlichen Beschluss im Jahre 2006 haben Sie maßgeblichen Anteil an der Entfremdung meiner Tochter von ihrem Vater.

Auch wenn für Sie das Aktenzeichen längst abgewickelt ist, will ich Sie dennoch über die Konsequenzen Ihres Beschlusses informieren.

Zunächst hatten Sie viel zu lange Zeit gelassen, um eine gerichtliche Verhandlung zu terminieren- obwohl von verschiedenen Seiten ( u.a. die von Ihnen bestellte Gutachterin) mehrmals vorgewarnt wurde, dass das Kind sich vom Vater entfremden würde, wenn der Umgang nicht schnellstens wieder hergestellt wird.

Aus nicht nachvollziehbaren Gründen sind Sie den Empfehlungen der Gutachterin vom 24.10.05 (Anlage) nicht gefolgt und beschlossen am 24.2.06, den Umgang für weitere eineinhalb Jahre auszusetzen. Und das, nachdem die Kindsmutter den Kontakt bereits in  den zwei Jahren zuvor (seit Februar 2004) willkürlich verhindert hatte! Damit verlängerte sich  der Kontaktabbruch auf insgesamt dreieinhalb Jahre.

Ihre Entscheidung dokumentiert nichts anderes als die Kapitulation vor der erfolgreichen Ausgrenzung eines Elternteils aus dem Leben seines Kindes und der damit  einhergehenden Entfremdung. Wie mit Ihrem Beschluss eines achtzehnmonatigen  Umgangsausschlusses (warum ausgerechnet 18?) das Verhältnis zwischen Vater und Tochter verbessert werden sollte, ist für mich bis heute nicht nachvollziehbar.

Erst in der Berufungsverhandlung beim Berliner Kammergericht am 16.11.06 stufte man Ihren Beschluss vom 24.2.06 als ungeeignete Reaktion ein. Es wurde ein sofortiger  betreuter Umgang angeordnet, der allerdings – auch wieder durch die Intervention der  Mutter- erst im Juni 2007 begann. Da aber war es bereits zu spät und meine Tochter hatte unter dem einseitigen Einfluss der Mutter und ihrem sozialen Umfeld völlig die Beziehung zu mir verloren.

Bis zum heutigen Tage ist es mir ein Rätsel, wie Sie zu einer solchen Entscheidung  kommen konnten. Einen Elternteil ohne nennenswerten Grund- möglicherweise aufgrund institutioneller Hilflosigkeit? - auszusortieren, ist nach meinem Empfinden würdelos und menschenverachtend.

Kaum vorstellbar, aber vielleicht gehen Sie immer noch von der früher weit verbreiteten und inzwischen widerlegten Vorstellung aus, dass Väter für die Entwicklung ihrer Kinder entbehrlich sind?

Da Ihre Vorgehensweise mit Sicherheit kein Einzelfall ist, möchte ich mit Nachdruck darauf hinweisen, dass die Gerichte es zu keiner Zeit zulassen dürfen, dass die Kontakte zwischen Kind und umgangsberechtigtem Elternteil, der auf die Hilfe gerade eben der  Familiengerichts angewiesen ist, auch nur für wenige Wochen unterbrochen werden. Es ist die gerichtliche Anordnung der Kontakte, die dem Kind den notwendigen Freiraum verschafft, sich für die Umgänge zu entscheiden. Dann muss das Kind seinVerhalten dem manipulierenden Elternteil gegenüber nicht rechtfertigen. Eine gerichtliche  Umgangsanordnung und die Bereitschaft, diese Entscheidung notfalls gegen den Willen des manipulierenden Elternteils durchzusetzen, helfen nicht nur dem Kind. Sie stellen einen Appell an das verlorengegangene Unrechtsbewusstsein des manipulierenden Elternteils dar. Denn er ist sich häufig nicht darüber im Klaren, was er dem Kind- und auch dem anderen Elternteil- nimmt.

Ich kann zum Wohl der Kinder, die von solchen Entscheidungen für ihr Leben belastet werden, nur hoffen, dass für alle zuständigen Richter eine entsprechende Aus- und Fortbildung, wie diese seit Jahren an einigen Familiengerichten erfolgreich praktiziert wird, verpflichtend eingeführt wird (u.a. in Kinder- und Familienpsychologie, Bindungstheorie, Techniken interdisziplinärer Arbeit).

Das was sich hier seit Jahren mit meiner Tochter abspielt, sind Verstöße gegen die Menschlichkeit, die von Ihrer Institution anstelle gefördert zu werden gerade verhindert werden sollten.


Hochachtungsvoll


Douglas Wolfsperger

 

Antwort des Gerichtspräsidenten

 


Douglas Wolfsperger, Berlin

 

An
den Präsidenten des Amtsgerichtes
Tempelhof-Kreuzberg                                                                                                                
Herrn Kunz                                                                                                                                  
Möckernstrasse 130                                                                                                              
10963 Berlin

 

Berlin, den 1.6.2012

Offenes Antwortschreiben

Geschäftszeichen: 1402 E A -24/10

 

Sehr geehrter Herr Kunz,                                                                                                       

zunächst vielen Dank für Ihr Schreiben vom 18.10.2010                                         

Nein, meinen Frieden kann und werde ich „mit der geschaffenen Situation“ nicht finden.      Ihr Antwortschreiben dokumentiert lediglich die Kapitulation vor den offensichtlich als Schicksal empfundenen Jahrzehnte alten Strukturen des gerichtlichen Umgangs mit dem Umgang.

In Deutschland sind derzeit etwa 230.000 Kinder jährlich von Trennung und Scheidung ihrer Eltern betroffen. Die Gesamtzahl der Trennungskinder beläuft sich inzwischen auf mehr als 4 Mio. Etwa ein Fünftel aller Kinder in Deutschland (2,4 Mio) wächst aktuell in Allein-erziehenden Haushalten auf. Bei 40% der Trennungskinder erfolgt ein dauerhafter Abbruch der Kontakte zu den nicht betreuenden Elternteilen, obgleich diese dieses Ergebnis mit gerichtlicher Hilfe abzuwenden versuchen. Dadurch stehen alle involvierten Professionen vor einer großen Herausforderung.

Mir ist einerseits bewusst, dass in Ihrer Funktion als Amtsgerichtspräsident eine – dem grundsätzlichen Gewaltenteilungs-Prinzip zuwiderlaufend – Verpflichtung von Exekutive und Judikative besteht. Das erschwert mir als Bürger andererseits, in Ihnen den für mein Anliegen zutreffenden Adressaten anzusprechen.

Soweit dies der (exekutive) Anteil der Justizverwaltung ist, wäre es Ihre Aufgabe, Aus- und Fortbildungskonzepte zur Verfügung zu stellen, um einen professionellen Umgang nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen mit solchen, wie meiner Tochter betreffenden Konflikt, zu vermitteln.

 

Soweit es der rechtssprechende Anteil ist, setzt Ihr Postulat: „das Ergebnis eines gerichtlichen Verfahrens zu akzeptieren“, eine dem Verfahren zugrunde liegende entsprechende Kompetenz voraus. Dies gilt umso mehr für Verfahren, die in entscheidender Weise die Lebenssituation und Entwicklung von Kindern bzw. Familien betreffen, die mit dem Abschluss eines Verfahrens gerade nicht abgeschlossen ist.

Daraus folgt: Gerichtsbeschlüsse hängen von der Persönlichkeit und den Qualifikationen des Richters ab, nicht so sehr von den tatsächlichen Bedürfnissen und Interessen der betroffenen Kinder.

Richterin Kirsten von Hollen vom Familiengericht Berlin Tempelhof-Kreuzberg hat bewusst und nachweislich die Entfremdung meiner Tochter zu ihrem Vater unterstützt, indem sie die Empfehlung der von ihr bestellten Gutachterin ignorierte und keine entsprechenden Maßnahmen ergriffen hat, um dem Umgangsboykott der Mutter Einhalt zu gebieten. (Siehe mein Schreiben vom Oktober 2010).

Was sich seit mehreren Jahren bei dem nunmehr 14-jährigen Mädchen abzeichnet, wurde damals von der Psychologin im Detail vorhergesagt.

Meine Tochter und ich müssen nun ausbaden, dass eine Familienrichterin aufgrund mangelnder Kompetenz nicht in der Lage war, Kraft ihrer richterlichen Macht eine Regelung zu treffen, die dem Kindeswohl entspricht und eine gesunde Entwicklung des Kindes ermöglicht, nämlich Kontakt zu beiden Eltern zu haben. 

Meine Tochter ist kein Einzelfall. Es ist davon auszugehen, dass auch in Ihrem Gericht eine Vielzahl weiterer Familien, insbesondere die Kinder, von unzulänglichen Verfahren und Regelungen betroffen sind und damit ihre Grundrechte nicht berücksichtigt werden.

 

Hochachtungsvoll

Douglas Wolfsperger