Der Über-Stiefvater aus Düsseldorf

1997

Douglas und Eva R. lernen sich am Arbeitsplatz kennen. Sie ist Mitarbeiterin bei einer Filmproduktionsgesellschaft, bei der Douglas, von Beruf Filmemacher, einen Termin hat. Während er auf seinen Gesprächspartner wartet, fragt sie ihn: „Möchten Sie etwas trinken?“ Er findet es sympathisch, dass sie sich um sein Wohlergehen sorgt. Ihre Kollegen wuseln nämlich alle nur um ihn herum, ohne ihn richtig wahrzunehmen. Sie hingegen bringt ihm einen Kaffee, und als sein Termin vorbei ist, lädt er sie ein, mit ihm auf eine Film-Premiere zu gehen. Dann geht alles sehr schnell: Beide verlieben sich ineinander, und ein Jahr später wird Eva R. schwanger.

„Soll ich das Kind abtreiben?“ fragt sie ihn, als sie ihm am Abend, nachdem sie den Test gemacht hat, bei einem Glas Mineralwasser davon erzählt – den Wein hat sie stehen lassen, da sie ja nun schwanger ist, und er hat seinen aus Solidarität auch nicht getrunken. Er ist perplex: „Auf keinen Fall! Wir lieben uns doch. Das ist jetzt vielleicht ein bisschen schnell passiert – aber ich möchte der Vater dieses Kindes sein.“

1998

Einige Wochen später kündigt Eva R. der Mitbewohnerin ihrer Zweier-WG und zieht bei Douglas ein. Am zweiten April 1998 wird Hanna in der Vinzenz-Palotti Klinik in Bensberg geboren.

1999

Zunehmend kommt es zu Spannungen zwischen Eva R. und Douglas. Sie gipfeln darin, dass Eva R. mit Hanna im Juni auszieht, während Douglas am Bodensee den Spielfilm „Heirate mir!“ dreht. Grund für die Streitereien ist in Douglas’ Augen, dass der Alltag mit Hanna hektisch ist und er das Gefühl hat, er und Eva R. könnten auftretende Konflikte nicht lösen. Eva R. hingegen fühlt sich im Stich gelassen, weil er viel Zeit bei den Dreharbeiten am Bodensee verbringt und sich ihren Augen nicht genug um Mutter und Kind kümmert.

Nach der ersten Arbeit am Film-Schnitt, der in München stattfindet, besucht Douglas Hanna und ihre Mutter im September in ihrer neuen Wohnung an der Kölner Flora. Für ihn gibt es trotz der Trennung von Eva R. keinen Zweifel daran, dass er weiterhin für seine Tochter da sein wird. In der neuen Wohnung hält sich auch ein Mann auf, der ihm als neuer Freund von Eva R. vorgestellt wird. Stefan heißt er. Verwundert muss Douglas zur Kenntnis nehmen, dass Stefan Hanna, die neben ihm in der Küche steht, von ihm wegzieht und demonstrativ auf seinen Schoß setzt. Nicht nur Douglas, sondern auch Hanna ist überrascht: Sie gleitet sanft von Stefans’ Schoß und kommt zu ihrem Vater zurück. Später sieht Douglas, dass sich auch in Hannas Kinderzimmer einiges getan hat: Die Wände sind dekoriert mit mehreren großformatigen Fotos, auf denen Hanna und Stefan zu sehen sind.

Douglas ist verwundert. Doch er kann noch nicht ahnen, dass dies alles Teil einer Strategie ist, die es zum Ziel hat, ihn als Vater auszulöschen. Später nämlich wird Eva R. vor Gericht behaupten, Hanna habe „vom ersten Kennenlernen an ein außergewöhnlich inniges Verhältnis“ zu Stefan gehabt. Gegenüber einer psychologischen Gutachterin wird sie davon sprechen, dass Stefan auf Hanna von Anfang an eine „magnetische Anziehungskraft“ gehabt habe. Sie habe ihn „wirklich abgöttisch“ geliebt. Dinge, die Douglas nach seinem ersten Besuch in der neuen Wohnung nicht bestätigen kann. Vielmehr kommt es ihm so vor, als sei Stefan nur allzu erpicht darauf, nicht nur als Partner von Eva R., sondern auch als Vater für Hanna in seine, Douglas’, Rolle zu schlüpfen. Doch noch macht er sich keine Sorgen. Er denkt, so etwas sei unrealistisch.

Nach und nach aber entzweien sich Eva R. und Douglas immer mehr. Selbst den Umgang können sie nicht mehr allein regeln, weil es zu viele Spannungen zwischen ihnen gibt. Mit Hilfe des Jugendamtes einigen sie sich darauf, dass Hanna und Douglas einander einmal in der Woche, samstags, sehen. Doch schnell kommt es zu Schwierigkeiten, weil Eva R. versucht, die Kontakte auf ein 14-tägiges Intervall zu reduzieren. Immer mehr Termine fallen aus wegen eines „Termins in der Kfz-Werkstatt“, weben „Planstau“ oder ganz einfach „im Interesse des Kindes“.

2000

Am 23. Juni, als Douglas vor Eva R.s Wohnungstür steht, um Hanna abzuholen, ist dies angeblich ein Missverständnis. Eva R. ist nicht bereit, Hanna herauszugeben. Weil er diese Willkür nicht mehr erträgt, schlägt er wütend die Tür ins Schloss und bereut es im gleichen Augenblick. Eva R. aber setzt daraufhin den Umgang für die nächsten Wochen eigenmächtig aus: Hanna sei „traumatisiert“.

Vier Wochen später schlägt sie für Hanna und Douglas einen „Abstand des Vergessens“ vor. Douglas wendet sich ans Familiengericht. Gleichzeitig spricht er mit Eva R.s ehemaliger bester Freundin, Nicola. Sie erklärt ihm, dass Stefan schon sehr lange um Eva R. gekämpft hat – nämlich seit fast zehn Jahren. Immer wieder sei er ihr hinterhergelaufen und habe ihr Avancen gemacht, sie hingegen habe ihn nur als guten Kumpel gesehen. Als Stefan 1997 erfahren habe, dass Eva R. ein Kind von Douglas erwarte, sei für ihn eine Welt zusammen-gebrochen. Und nun, nach der Trennung, sehe er sich am Ziel seiner Wünsche. Sie, Nicola, habe ihrer damaligen Freundin Eva R. nach deren Trennung von Douglas den Ratschlag gegeben, keine Paarbeziehung mit einem Mann einzugehen, mit dem man „nur“ eine freundschaftliche, aber keine erotische Beziehung pflegt. Diese Äußerung habe dazu geführt, dass Eva R. die Freundschaft beendet habe.

Für Douglas sieht es so aus: Stefan ist für Eva R. der Mann, der ihr dabei hilft, Abstand zu ihm zu gewinnen. Gleichzeitig bewahrt er sie davor, alleinerziehend zu sein. Eine leidenschaftliche Beziehung sieht für ihn anders aus. Doch da wird er sich nicht einmischen, im Gegenteil. Ihm ist an einer Deeskalation der Lage gelegen.

So trifft er sich im Juli auf Stefans’ Wunsch hin mit ihm auf ein Bier. Zunächst ist Douglas skeptisch, doch erstaunlicherweise finden die beiden Männer einen Draht zueinander und stellen gemeinsam Überlegungen an, wie sie die Situation entschärfen können. Ganz nebenbei erzählt Stefan Douglas, dass er es besser finden würde, wenn Hanna zu ihm „Papa“ sage. Er plane mit Eva R. gemeinsame Kinder, und da sei es zweckmäßig, wenn alle ihn als Vater bezeichneten, „damit es nicht zu Verwechslungen kommt“. Douglas denkt: Der Bursche hat irgendwie ein Rad ab.

Wieso Stefan sich an jenem Abend unbedingt mit ihm treffen wollte, erfährt er erst viel später: Vermutlich lag ihm sehr daran, reinen Tisch zu machen, denn zehn Tage zuvor, am 14. Juli, fand die Hochzeit von Eva R. und Stefan statt. Stefan hatte es geschafft, die Frau zu ehelichen, die er immer haben wollte. Und trug damit den Titel „faktischer und sozialer Vater von Hanna“. Als uneheliches Kind heißt Hanna seit der Hochzeit mit Nachnamen so wie ihr Stiefvater Stefan.

Damit das die ganze Welt erfährt und an Stefans’ Glück teilhaben kann, verkündet Stefan auf seiner Internet-Seite: „Ich bin seit Juli mit meiner Frau Eva R. verheiratet und wir haben eine wunderbare Tochter.“ Douglas fragt sich verwundert, was sich dieser Knabe beweisen muss. Und bekommt eine leise Ahnung davon, was ihn da in nächster Zeit erwarten wird.

Ende August teilt ihm die Anwältin von Hannas Mutter mit, dass, sollte er „mit den Unterhaltszahlungen und dem Umgangsrecht nicht zurecht kommen“, auch eine Lösung in der Art möglich sei, „dass der Ehemann meiner Mandantin Hanna adoptiert“ und Douglas „somit aus seinen Verpflichtungen entlässt.“

Über seine Anwältin lässt Douglas sie wissen, dass dies für ihn unter keinen Umständen in Frage kommt. Er möchte als Vater für Hanna zur Verfügung stehen, auch wenn Eva R. seit Ende Juli alle Umgangstermine konsequent verweigert. Sie ist mit Stefan und Hanna in den Urlaub gefahren, ohne Douglas einen neuen Umgangstermin zu nennen. Seine Anwältin hat beim Familiengericht in Köln einen Antrag auf Regelung des Umgangsrechts eingereicht und appelliert an das Gericht: „Sie werden mir darin Recht geben, dass es so nicht weitergehen kann, da gerade bei einem kleinen Kind eine Entfremdung sehr schnell eintritt.“

Doch die Lage eskaliert weiter. Douglas kann Hanna nicht mehr sehen, auch nach dem Urlaub nicht. Im Oktober schreibt das Kölner Jugendamt ans Amtsgericht: „Die Umgangsregelung gestaltete sich mit Zuwendung der Kindsmutter zu ihrem neuen Partner zunehmend komplizierter.“

2001

Douglas kämpft um den Umgang mit Hanna. Am 18. Oktober gibt es endlich den Beschluss vom Amtsgericht Köln: Douglas darf Hanna jeden zweiten Samstag von zehn bis 18 Uhr sehen, und am zweiten Oster-, Pfingst- und Weihnachtstag ebenfalls.

Keine acht Wochen später, als er Hanna samstags zum Umgang abholen will, kommt es zu einem Zwischenfall: Stefan öffnet die Tür, Hanna klammert sich scheu an sein Bein. Sie hat mehr Vertrauen zu ihm als zu Douglas, weil sie ihn täglich sieht, ihren Vater hingegen nur alle zwei Wochen, nachdem sie ihn wegen der Umgangsverweigerung davor lange Zeit gar nicht gesehen hat. Stefan fühlt sich in dieser Situation sichtlich wohl und meint süffisant: „Du siehst doch, dass das Kind nichts von Dir wissen will.“ Douglas bleibt äußerlich ruhig. Nicht noch einmal wird er die Tür ins Schloss knallen, auch wenn er weiß, dass Stefan es nur darauf anlegt. Er bittet ihn, seine Tochter auf den Arm zu nehmen und sie ihm dann zu übergeben. Doch Stefan weigert sich. So nimmt Douglas Hanna selbst auf den Arm, dreht sich um und geht los. Stefan rennt ihm nach und brüllt: „Das was Du hier machst, ist Kindesentführung!“

„Was für ein dämlicher Idiot musst du sein, um so etwas zu äußern“, entgegnet Douglas. Dann beschimpft er ihn übel. So kennt er sich selbst nicht, aber dieser Typ versucht nun seit zwei Jahren, ihn zu provozieren. Ständig lässt er Douglas spüren, dass er am längeren Hebel sitzt, und spielt sich völlig unverhältnismäßig als „Papa“ auf.

Stefan versucht, Douglas von hinten festzuhalten und befiehlt ihm, Hanna von seinem Arm herunterzulassen. Douglas tritt einmal nach hinten ins Leere, um ihn abzuschütteln, und geht dann unbeirrt mit der völlig ruhigen Hanna auf dem Arm weiter. Ein paar Meter verfolgt Stefan ihn mit weit geöffneten Augen, bis Douglas sein Handy aus der Tasche holt und so tut, als wähle er eine Nummer, um einen Ohrenzeugen zu bekommen. Da gibt Stefan auf und verzieht sich. Wenige Tage später flattert Douglas eine Strafanzeige wegen „schwerer Körperverletzung“ ins Haus. In der völlig verzerrten und aufgebauschten Eidesstattlichen Erklärung des Stiefvaters liest sich der Vorfall so: „Auch dieses Mal wollte Hanna nicht mitgehen und klammerte sich ängstlich an mein Bein. Darauf griff Herr Wolfsperger zu körperlicher Gewalt und riss das panisch schreiende und sich mit äußerster Kraft an mich klammernde Kind an sich. Auf meine Aufforderung, das Kind herunterzulassen, trat er mir mehrere Male heftig in die Beine und schrie mich an: „Du kriegst was auf die Eier.“ Anschließend entfernte er sich mit der laut nach mir schreienden Hanna rasch vom Ort des Geschehens. Um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden, ließ ich ihn gehen.“ Stefans verzerrte Realitätswahrnehmung zeigt sich auch in anderen Schreiben ans Gericht. Darin spricht er von „meiner 3-jährigen Tochter Hanna“ und davon dass „das Kind im Grunde nur mich als ihren Papi kennt“.    

Das Gericht schenkt Stefans Schilderungen mehr Glauben als denen von Douglas. Damit ihm eine Vorstrafe erspart bleibt, muss er sich vor Gericht bei Stefan entschuldigen und eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro zahlen. Abermals fragt er sich: Was muss sich dieser Stefan eigentlich beweisen, dass er so dringend Hannas Vater werden will?

2002

Der Umgang fällt ständig aus, und wenn das Gericht Termine anberaumt, um ihn neu zu regeln, lässt Eva R. auch diese platzen. Douglas ahnt, warum: In ihrer neu geschaffenen Familie ist kein Raum mehr für ihn. Sie reduziert ihn auf das, was sie nun wirklich nicht leugnen kann: Für sie ist er jetzt nur noch der „Erzeuger“ von Hanna. Als im April endlich doch einmal ein Gerichtstermin zustande kommt, wird beschlossen, für die „Umgangs-Übergaben“ eine Honorarkraft des Jugendamtes einzusetzen.

Am 31. Mai zieht Douglas von Köln nach Berlin, weil er dort eine neue Partnerin gefunden hat. Eva R. weiß davon nichts, und so finden in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich mehrere Umgangstermine mit der inzwischen vierjährigen Hanna statt, die Vater und Tochter sehr genießen. Allerdings wird es  aus beruflichen Gründen gelegentlich schwierig für Douglas, Termine, die Monate vorher festgelegt wurden, einzuhalten. Sein Film „Bellaria“ ist ein großer Erfolg geworden, er ist damit auch auf ausländischen Festivals viel unterwegs. Ersatztermine, die er Eva R. rechtzeitig sechs Wochen im Voraus vorschlägt, macht sie allerdings nicht möglich.

2003

Im Januar erfährt Douglas, dass Eva R. und Hanna ebenfalls nach Berlin gezogen sind - ohne zu wissen, dass er dort lebt. Stefan hingegen ist in Düsseldorf geblieben. Douglas fragt sich, warum. Für ihn und Hanna ist der Umzug indessen prima. Jetzt, wo alle am selben Ort leben, ist es viel einfacher, den Umgang stattfinden zu lassen. Über die Anwälte werden neue Termine verhandelt, die nun alle vierzehn Tage samstags von zehn bis 18 Uhr anberaumt sind. Und so macht sich Douglas alle zwei Wochen zusammen mit seiner neuen Familie auf den Weg nach Berlin-Steglitz, um Hanna abzuholen und gegen Abend wieder zurückzubringen. Hanna hat sichtlich Spaß mit seiner neuen Partnerin K., deren siebenjähriger Tochter L. und der kleinen C..  Und durch die Regelmäßigkeit der Kontakte beginnt sie, einen festen Platz in Douglas’ neuer Familie einzunehmen.

Nachdem das über mehrere Wochen gut funktioniert hat, fragen Douglas und K. sich, wieso Hanna eigentlich nicht auch mal über Nacht bei ihnen bleiben kann. Douglas möchte nicht nur alle vierzehn Tage nachmittags ihr Vater sein.

Da ein solcher Vorschlag mit Eva R. nicht direkt zu verhandeln ist, stellt er einen entsprechenden Antrag bei Gericht, der Hanna alle zwei Wochen einen Aufenthalt bei ihm von Freitag bis Sonntag ermöglichen soll. Die Folgen spürt er auf dem Fuße. Bei den kommenden beiden Umgangsterminen weigert sich Hanna plötzlich, mit ihm zu kommen. Was ist passiert?

Es stellt sich heraus, dass Stefan abermals versucht, ihm Hanna wegzunehmen. Er kommt alle zwei Wochen am Samstagvormittag von Düsseldorf nach Berlin.

Intelligenterweise genau dann, wenn er, Douglas, Hanna abholen will. So kommt diese immer wieder in arge Bedrängnis und fühlt sich hin- und hergerissen. Dennoch kommt es in der Folge wieder zu Umgangterminen, denn Hanna will auch ihn sehen, das spürt er ganz deutlich. Aber auch Eva R. scheint dies zu spüren und andere Schlüsse daraus zu ziehen. Als dann Ende August das Familiengericht auch noch beschließt, ein Sachverständigengutachten zur Regelung des Umgangs einzuholen, scheint in ihr ein Beschluss zu reifen, von dem Douglas im Oktober erfährt: Eva R. teilt ihm per Mail mit, dass sie mit Hanna von Dezember an wieder in Düsseldorf leben wird. Es kommt zu einem letzten Gespräch mit der Gutachterin, in dem alle Beteiligten, auch Stefan, sich auf weitere Umgangstermine mit Übernachtungen einigen.

2004

Zwei Mal übernachtet Hanna dann noch bei Douglas und seiner neuen Familie, und Douglas beobachtet voller Glück, dass sie dabei ist, sich bei ihm zu Hause zu fühlen. Danach bricht Eva R. den Umgang ab. In ihrer Logik ist dies kohärent: Je besser die Kontakte zwischen Vater und Tochter laufen, umso mehr Vorbehalte hat sie. Mitte Mai kommt es daher zu einem neuerlichen Gerichtstermin – der Umgang soll neu geregelt werden. Als Douglas nach der Verhandlung aus dem Gerichtssaal kommt, sitzt Stefan grinsend auf einer Bank im Flur und versucht, ihn mit Grimassen zu provozieren. Douglas läuft mit seiner Anwältin an ihm vorbei. In der Gerichtskantine begegnen beide sich abermals, und Stefan schneidet Douglas im Vorbeigehen wieder eine Grimasse. Da rennt Douglas hinter ihm her, hält ihn fest und beschimpft ihn. Stefan lässt sich wie ein Sack zu Boden fallen. Douglas lässt von ihm ab. Wenige Tage später erhält er einen zweiten Strafantrag und erfährt, wie die Situation „wirklich“ war: „Wolfsperger kam mit hassverzerrtem Gesicht auf mich zugelaufen, trat mir mit heftiger Wucht von hinten in die Kniekehle, nahm mich in den Würgegriff und riss mich unter Zudrücken heftig zu Boden. Hierbei schlug ich mit Kopf und Schultern gegen die Wand.“

2005

Der Umgang findet weiterhin nicht statt. Hanna muss nicht nur den Verlust ihres Vaters verkraften (Wieso kommt er nicht mehr zu mir, wo er doch gesagt hat, wie lieb er mich hat?), sondern auch die immer stärker werdenden Auseinandersetzungen zwischen Eva R. und Stefan.

2006

Nach der Trennung von Eva R. und dem vergeblichen Warten auf gemeinsame Kinder muss Stefan sich verstärkt beweisen. Das tut er mit Hilfe seines „Trostpreises“ Hanna. Dass er den Kontakt zu dem Kind, mit dem er ein paar Jahre zusammengelebt hat, nicht abbricht, findet Douglas verständlich und lobenswert. Dass Stefan aber in Internet-Portalen wie Xing und in astrologischen Fachzeitschriften (und mit Sicherheit auch in seinem privaten Umfeld) als  „Hauptinteresse“: „meine Tochter“ angibt, kommt ihm mehr als befremdlich vor. Und auch mit ihm, Douglas, scheint Stefan noch eine Rechnung offen zu haben, denn er versucht alles, um ihn zu provozieren. Als Douglas im November nach einer Anhörung vor dem Berliner Kammergericht in Begleitung seines Anwalts den Gerichtssaal verlässt, traut er seinen Augen nicht: Stefan sitzt abermals demonstrativ auf einer Bank im Flur, diesmal mit Hanna auf seinem Schoß. Das erste Mal seit dem letzten Umgangstermin vor mehr als zweieinhalb Jahren sieht Douglas seine Tochter für einen kurzen Moment wieder. Sie schauen sich an, dann zieht ihn sein Anwalt weg und murmelt: „Schnell raus hier, bevor wieder ein Unglück passiert.“

Sein Anwalt schreibt daraufhin an die Gegenseite: „Für Ihre Mandantin haben Sie … wortreich dargelegt, wie schlimm es sei, wenn Hanna ihren leiblichen Vater sehen müsse und wie sehr sie sich bei der Verhandlung vor dem Familiengericht im Februar 2006 erschrocken habe, als sie den Vater habe sehen müssen. Deswegen sollte der Senat des Kammergerichts organisatorisch dafür Sorge tragen, ‚dass ein zwangsweises Zusammentreffen des Kindes Hanna mit seinem Vater im Gerichtsgebäude vor der Anhörung vermieden wird’. Deswegen war ich äußerst überrascht, Hanna mit dem Stiefvater unmittelbar vor der Tür des Gerichtsaales zu treffen. Mein Mandant und ich haben trotz dieser –aus meiner Sicht überraschenden Inszenierung – Hanna gegrüßt und haben uns im Hinblick auf die von Ihnen angeblichen Belastungen des Kindes durch das Zusammentreffen sofort entfernt.

Klarstellen möchte ich ausdrücklich, dass dies nicht geschehen ist, weil mein Mandant nicht die Tochter gern herzlicher gegrüßt hätte, sondern wegen der von Ihnen in Ihrem Schriftsatz vom 20.9.06 geschilderten angeblichen Belastungen, die für die Kindsmutter – wieder aus meiner Sicht – offenbar ein willkommener Anlass sind, Vorwände zu finden, Hanna und den Vater nicht zusammentreffen zu lassen. In der mündlichen Verhandlung vor dem Senat müsste nicht nur Ihrer Mandantin, sondern auch Ihnen deutlich geworden sein, dass dem Vater daran gelegen ist, der Tochter in einer unbelasteten Situation gegenüberzutreten. Dieses Anliegen wird nach meiner Auffassung von ihrer Mandantin und dem Stiefvater hintertrieben.“

Seitdem hat Douglas Stefan nicht mehr gesehen. Allerdings weiß er, dass Stefan im Hintergrund sein Unwesen treibt. Am liebsten würde dieser Mann der ganzen Welt im Internet mit Fotos demonstrieren, was für eine wunderbare „Tochter“ er besitzt. Bloß steht ihm dabei die Einstweilige Verfügung im Wege, die Douglas bekommen hat, weil er in seinem Film ein Foto von Hanna veröffentlicht hat. Täte nun Stefan das gleiche, würde er gewaltigen Ärger bekommen.  

2010

Der vorläufige Gipfel der Entfremdung ist erreicht: Die ferngesteuerte und entfremdete Hanna schreibt ihrem Vater, dem „Herrn Wolfsperger“, einen Brief, in dem sie ihn siezt und ihm sagt, dass er nicht ihr Vater sei, weil er sich nie um sie gekümmert habe. Ihr einziger Vater sei Stefan. Für Douglas ist es, nach allem, was er über Stefan und die Mechanismen eines elterlichen Entfremdungssyndroms weiß, denkbar, dass Stefan es war, der die zwölfjährige Hanna dazu veranlasst hat, diesen Brief zu schreiben.

2012

Eva R. macht mittlerweile keinen Hehl mehr daraus, dass sie auch mit Stefan große Auseinandersetzungen wegen des Umgangs hat. Nur ist und bleibt er für sie das kleinere Übel. Seit mittlerweile 13 Jahren vertritt sie stur die Ansicht, dass Douglas als reiner „Erzeuger“, der sich nie wirklich für sein Kind interessiert habe, kein Recht habe, im Leben von Hanna eine Rolle zu spielen.

Bis heute hat sie keinerlei Bewusstsein dafür, wie sehr sie ihrem Kind schadet.

Es gibt niemanden, der sie zum Einlenken bringen kann. Jegliche Kritik straft sie mit Verachtung und Verbannung. Und die Machtlosigkeit der Familien-richter bestätigt ihr, dass sie alles richtig gemacht hat.

Der kinderlose und möglicherweise zeugungsunfähige Stiefvater scheint inzwischen völlig verinnerlicht zu haben, dass Hanna seine Tochter ist. Mit seinem unangemessenen Verhalten hat er erheblichen Anteil daran, dass Hanna Douglas als ihren leiblichen Vater hasst und keinerlei Kontakt mehr zu ihm und seinem verwandtschaftlichen Umfeld hat. So sieht es auch die psychologische Gutachterin, die schreibt, dass Stefan „mit seiner ‚feindlichen Übernahme des Kindes Hanna das Selbstverständnis des Vaters massiv beeinträchtigte.“ Er sei in eine „ihm nicht zustehende Vaterrolle mit ausschließlichem Besitzanspruch an das Kind“ geschlüpft.